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Einige Gedanken zur Konfliktkultur

Aus dem Lager der Pestizid-Befürworter höre oder hörte ich bei meiner Recherche oft:

  • „Wir wollen nicht streiten.“
  • „Wir dürfen keinen Keil in die Bevölkerung treiben.“
  • „Wir wollen keinen Unfrieden hier.“
  • „Wir wollen eine Lösung die für alle passt.“
  • „Wir sollten kein Abstimmung durchführen.“

Und natürlich wünschen sich auf die Pestizid-Gegner Frieden und Harmonie. Daher möchte ich heute über Konfliktkultur nachdenken. Sozusagen mein „Wort zum Sonntag“.

Nehmen wir an zwei Personen wollen möglichst viel über die römische Antike lernen und dazu eine Reise unternehmen. Person A will nach WienPerson B nach Rom. Jeder hat einige Gründe für die Wahl seines Reiseziels vorzubringen und glaubt ganz fest im Recht zu sein.

Wie soll man mit diesem Konflikt umgehen?

Soll man ihn sofort auf den Tisch bringen?

Oder soll man – um des „lieben Frieden“ willen – das Thema nicht ansprechen und erst mal Abwarten.

Ich finde Frieden sehr wichtig. Ich glaube nicht, dass jeder Konflikt unbedingt sofort ausgetragen werden soll. Solange die Reise also noch nicht begonnen hat (oder schon unmittelbar bevorsteht), kann man ruhig noch ein wenig abwarten. Viele Konflikte lösen sich von selbst.

Anders sieht die Sache aus, wenn die Reise bereits begonnen hat. Sagen wir, wir befinden uns bereits auf dem Weg nach WienPerson B ist aber nach wie vor fest davon überzeugt, dass Wien die falsche Wahl ist. Rom wäre viel ertragreicher.

  • In diesem Fall MUSS Person B den Konflikt sofort und möglichst klar ansprechen.
  • Der Wagen MUSS möglichst sofort angehalten werden.
  • Dann MUSS diskutiert werden.

In welchem Tonfall? Am besten höflich und sachlich. Unter Umständen auch aggressiv. Warum nicht? Nehmen wir an Person A hat noch nie Rücksicht auf Person B genommen und schert sich einen Dreck, um die vernünftigen Argumente von B! (Kann ja sein.) Darf B in diesem Fall sagen: „Du Tyrann!“ Na klar, warum nicht. Es ist ja sachlich gerechtfertigt. Oder was wäre, wenn A einfach zu faul war sich über die römische Antike zu informieren und nach Wien sowieso nur fahren will, weil er dort ganz andere Dinge erledigen will. Darf B dem A dann sagen: „Du Depp!“ „Du Egoist!“ Gar kein Problem. Er hat in der Sache ja recht.

Fassen wir noch einmal zusammen:

  • Das Auto muss angehalten werden.
  • Es müssen Argumente ausgetauscht werden.
  • Es darf ruhig auch deutlich ausgesprochen werden, was Sache ist.

Aber wie geht es nun weiter, wenn keine Einigung erzielt wird. Ich höre so oft, dass man eine Lösung finden muss, „mit der alle leben können“. Was sollen wir denn tun? Nach Innsbruck fahren? Oder nach Bozen? Nein! Es gibt einfach Fälle, wo die eine Lösung richtig und die andere falsch ist. Und oft gibt es daher keinen Mittelweg und letztlich keinen Kompromiss.

Wenn es keine Einigung gibt, schlage ich also eine Abstimmung vor. Zum Glück befindet sich ja eine dritte Person im Auto. Person C. Und egal was die Abstimmung erbringt, das Ergebnis ist zu akzeptieren. Auch wenn die Reise nach der Abstimmung nach Wien führen sollte, muss Person B dies zähneknirschend hinnehmen. Für den Augenblick zumindest. Erst vor der nächsten Fahrt, kann und soll neuerlich diskutiert und womöglich abgestimmt werden.

Ich denke unser Zug fährt zur Zeit mit voller Kraft in Richtung intensiver Landwirtschaft (Monokulturen, Pestizideinsatz).

  • Dieser Zug sollte sofort angehalten werden.
  • Es ist Zeit mit deutlichen Worten zu diskutieren.
  • Gibt es keine Einigung so muss abgestimmt werden.

Und da diese Abstimmung bereits erfolgt ist, muss man sich – mit sofortiger Wirkung – an das Ergebnis halten.

Was aber machen die Pestizid-Befürworter? Sie machen einfach weiter wie bisher.

Man wird ihnen bei der nächsten Wahl vollständig das Vertrauen entziehen müssen, um andere Menschen ans Lenkrad unseres kleinen Fahrzeugs zu setzen. Solche, die ein Mindestmaß an Konfliktkultur und Fairness aufbringen wollen.

Ich hoffe jedenfalls, dass mein „Wort zum Sonntag“ deutlich gemacht hat, was ich dem A antworten würde, wenn er bei der nächsten „Fahrt nach Wien“ wieder einmal folgende Vorschläge unterbreitet:

  • „Wir wollen nicht streiten.“
  • „Wir wollen keinen Keil zwischen die Fahrzeuginsassen treiben.“
  • „Wir wollen keinen Unfrieden hier.“
  • „Wir wollen eine Lösung die für alle passt.“
  • „Wir wollen kein Abstimmung durchführen.“

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