Texte

„Ich bin ein Malser“

In mancherlei Hinsicht ist mein Aufenthalt in Meran eine Zeitreise in meine Vergangenheit. Meran 2015 ähnelt Salzburg 1985. Dazu nur ein Beispiel: In Salzburg wurde man vor 30 Jahren abwechselnd ausgelacht oder beschimpft, wenn man Vegetarier war. In den Gaststätten der Mozartstadt musste man sich damals mit den Beilagen begnügen. In Meran ist das heute noch so: im öffentlichen Kindergarten.

Ich erspare mir an dieser Stelle meine Predigt, wie wichtig ein radikaler Paradigmenwechsel in Ernährung und Landwirtschaft für unser Überleben auf diesem Planeten wäre, denn die überwältigende Mehrheit der Südtiroler würde mich entweder nicht verstehen oder achselzuckend zur Tagesordnung übergehen.

Und dabei ist dieses „Achselzucken“ noch die bessere von zwei Möglichkeiten. Die andere Möglichkeit: Man brandmarkt dich und vernichtet deine Existenz: „Wenn du einen Film gegen den Einsatz von Pestiziden machst, wirst du in Südtirol keinen Auftrag von der öffentlichen Hand mehr erhalten.“ „Und keinen Auftrag von irgendeinem Unternehmen, das mit der öffentlichen Hand zu tun hat.“ „Und keinen Auftrag von irgendeinem Unternehmen, das mit der Landwirtschaft zu tun hat.“ Mit diesen Worten hat mich ein Südtiroler vor dem Produktionsstart für „Das Wunder von Mals“ gewarnt.

Was ich damals nicht ganz begriffen hatte, war die Bedeutung dieser Warnung.

Ihre wahre Bedeutung war nämlich: „Du wirst in Südtirol überhaupt keinen Auftrag mehr erhalten.“ „Du wirst ein Unberührbarer sein.“ „Es wird für alle braven Südtiroler besser sein, sich nicht gemeinsam mit dir in der Öffentlichkeit zu zeigen.“

Und brav sind fast alle Südtiroler. Wer hier nach Dienstschluss öffentlich seine Meinung sagen will, der fragt besser vorher seinen Vorgesetzten. Man findet nichts dabei, für Gehalt und Karriereaussichten, auf Grundrechte zu verzichten. Angst liegt über dem Land, vorauseilender Gehorsam und Feigheit.

Und so bleibt der Aufschrei der Empörung aus, wenn ein Mann wie Johannes Fragner-Unterpertinger sich vor Gericht dafür verantworten muss, dass er eine Volksabstimmung initiiert hat.

Deswegen regt es auch niemanden sonderlich auf, wenn ich selbst mich in einem Strafverfahren verantworten muss, weil ich eine Widerstandsaktion der Malser gegen einen Gemeinderat gefilmt habe, der den Willen des Volks ignoriert hatte (… gegen einen Gemeinderat der mittlerweile Geschichte ist, einen Gemeinderat der abgewählt wurde).

(Wenn es tatsächlich strafbar wäre zu filmen, wie Menschen etwas auf den Asphalt malen, dann müssten beim Giro d’Italia alle nationalen und internationalen Sportjournalisten mit Klagen überzogen werden. Denn dort malen die Menschen Anfeuerungsrufe auf den Asphalt. Vor laufender Kamera. Huch!)

Ja, ich weiß schon: Achselzucken. Eine willfährige Justiz? Das beeindruckt den Südtiroler nicht. Das hat er nicht anders erwartet. Er hat es über die Jahre gelernt: man muss in geduckter Haltung verharren, sonst ist man der Nächste den es erwischt.

Wenn meine Südtiroler Freunde ihren Mut zusammenkratzen, dann erinnert mich ihre Solidarität manchmal an die Schlussszene aus dem Film „Das Leben des Brian“. Brian wurde gekreuzigt. Er hängt also am Kreuz, während eine Delegation seiner Mitstreiter kommt und ihm mitteilt, wie stolz man auf ihn sei.

Einmal habe ich mit Paul Rösch über den Begriff „Heimat“ gesprochen. Heimat“, hat Paul zu mir gesagt, „ist dort wo man Gleichgesinnte findet“.

In diesem Sinn wiederhole ich stolz: „Ich bin ein Malser.“ Ein Südtiroler werde ich erst sein, wenn es hier mehr Malser geben wird.

  1. Zwahlen Maya

    Liebe Beatrice, bin hell begeistert. Kleine Frage: Wenn man mit etwas unzufrieden ist; benötigt man eine Alternative. Ist Die EM (effektive Mikroorganismen) bekannt? EM ist eine Zufallserfindung von Prof. Higa. Falls Du EM noch nicht kennst; im Internet zu finden. Ich selber arbeite damit.

    Ich bin so begeistert. Ich habe das Glück, dass mir 5 Beete ca. 4 m / 80 cm zur Verfügung stehen. Ich bin kompl. Selbstversorger. Sogar Kartoffeln habe ich gepflanzt, die werden bis zum Frühjahr reichen.
    Mein Kohl von einem Blattende zum Andern Durchmesser 1,10 m. Sogar diese grossen Blätter sind so zart, dass ich damit ein wunderbares Gemüse auf den Tisch bringe. Auberginen, Peperoni, Gurken, Zucchini alles in Hülle und Fülle. Bin zusätzlich dauernd am verschenken. Das alles ohne Dünger nur mit Bokashi und EMa.
    D.h. alles was an Pflanzenabfällen anfällt geht wieder zurück in den Garten. Auch habe ich sozusagen kein Ungeziefer. Falls Du EM noch nicht kennst kann ich Dich hoffentlich animieren und begeistern den Versuch zu wagen.

    EMa wird auch in der Obstkultur eingesetzt. Sogar gegen die Essigfliege bei den Trauben hilft es.

    Macht so weiter mit der Gegenwehr gegen die Chemie, haltet die Ohren steiff. Ich bin überzeugt zum Schluss erhält das Gute auch preislich günstigere die Oberhand,

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