Das heutige Mittagsmagazin hat mir klar gemacht, dass die Landespolitik und der Bauernbund nicht im entferntesten daran denken, das Votum des Volkes zu respektieren.

Landesrat Schuler sieht nur Verlierer. Hauptsächlich beschäftigt ihn das Image-Problem, das die „konventionelle“ Landwirtschaft jetzt hat, weil sie 20 mal pro Jahr Gift versprüht. Aber auch den Bürgern spricht er sein Mitleid aus. Sie müssen jetzt mit der Enttäuschung leben, nichts bewirkt zu haben. Erst nach einer Pause fügt er hinzu: Womöglich.

Einig ist man sich auch, dass jetzt die Zeit ist zu reden, zu reden, zu reden … Landtagsabgeordneter Noggler findet das nämlich auch. Allerdings denkt er dabei scheinbar nicht an die Pestizid-Gegner als Gesprächspartner. Er sagt: „Wir reden in der Bäuerlichen Zukunft jede Woche.“ Warum soviel geredet wird, bleibt allerdings unklar: „Wer, wann, was ausbringen darf ist ohnehin genau geregelt.“ Verordnungen oder Strafen bei Verstößen benötige man aber nicht. „Die Bauern sollen innerhalb des Bauernstandes darauf hinarbeiten.“

Alexander Agethle, Biobauer in der Gemeinde Mals, zeichnet ein weniger positives Bild von der Entwicklung in der Landwirtschaft: „Die agro-industrielle Landwirtschaft stößt weltweit an Grenzen. Wollen wir das jetzt mit aller Gewalt im oberen Vinschgau auch aufbauen? Die wirkliche Frage lautet doch: Welches Agrarmodell könnten wir schaffen? Nachhaltig und vielfältig!

Friedrich Haring vom Promotoren-Komitee in Mals ergänzt: Die Politik muss diese Situation erkennen und endlich die Segel setzen. So wie es jetzt kein Kaiserreich mehr gebe, so werde es irgendwann keine Pestizide mehr geben. Südtirols Politiker könnten als Pioniere vorangehen.

Dafür besteht allerdings wenig Hoffnung. Schuler geht es weder um die Zukunft noch um den Willen der Bevölkerung. Ihm geht es, um etwas anderes, wie er ausführt: „Es geht um die Frage der Zuständigkeit der Gemeinden. Die Gemeinde haben keine Zuständigkeit. Das sagen alle Gutachten.“ Das sagt zumindest Schuler.

Alexander Agethle kontert: Wir versuchen uns hinter dem Recht zu verstecken, um die Problematik zu kaschieren. Intensive Landwirtschaft und biologische Anbauweise können wegen der Abdrift nicht nebeneinander ko-existieren. Rückstandsproben belegen das. Während wir reden und reden, werden neue Apfelanlagen gebaut. Obwohl 76 % der Bevölkerung dem klar widersprochen haben.

Der Mensch lebt nicht allein vom Apfel, er lebt auch von geistiger Nahrung. Der eine mehr, der andere weniger. Landesrat Schuler sieht keine Alternativen: eine intensive Landwirtschaft sei nötig um die steigende Weltbevölkerung zu ernähren. Das ist zumindest irreführend. Denn um die steigende Weltbevölkerung zu ernähren, würde es auch genügen ein bisschen weniger Fleisch zu essen. „Ein Drittel des weltweit angebauten Getreides wird heute für Tierfutter verwendet“ sagt Ralf Südhoff vom World Food Programm der Vereinten Nationen.

Abschließend durfte Schuler einmal mehr sein Mantra beten: „Man kann die Probleme nur gemeinsam lösen.“ Das ist natürlich ebenfalls Unsinn. Manchmal werden Probleme ganz einfach gelöst, in dem man einer rücksichtslosen Bevölkerungsgruppe (die sich der eigenen Rücksichtslosigkeit meist nicht bewusst ist) ein Verbot auferlegt. Zum Beispiel das Rauchverbot in Lokalen. Zum Weltuntergang hat’s nicht geführt …

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